Gase und deren Gefahren

Bei Arbeiten in Schächten ist auf eine Vielzahl von Sicherheitsrisiken zu achten. Neben der Absturzgefahr bestehen unsichtbare Gefahren durch Sauerstoffmangel, brennbare und toxische Gase.

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Egal ob in abwassertechnischen Anlagen, Deponien, Kläranlagen, Regenüberlaufbecken oder bei Revisionsarbeiten in Behältern,beim Abbau von organischen Substanzen in feuchtem, anaerobem Milieu können sich giftige Faulgase ausbilden. Daher ist vor dem Betreten solcher Arbeitsbereiche eine Überprüfung der Luft auf brennbare oder toxische Gase vorgeschrieben.

Die wichtigsten Gase bei Kanal- & Schachtarbeiten

Methan (CH4)

ist ein farb- und geruchloses Gas, das aufgrund seiner geringeren Dichte leichter ist als Luft und somit nach oben steigt. Dort sammelt es sich und vermischt sich mit der Luft. In höheren Konzentrationen verdrängt CH4 den zum Leben notwendigen Sauerstoff. Methan wirkt nicht nur betäubend und erstickend, sondern entwickelt sich zu einem hoch explosiven Gemisch. Die untere Explosionsgrenze für Methan liegt schon bei 4,4 Vol.– % (bei 1.013 hPa, 20°C).

Schwefelwasserstoff (H2S)

wird bei organischen Umsetzungsprozessen unter Sauerstoffmangel gebildet und ist bereits in geringen Konzentrationen hochgiftig. Das als Nervengift wirkende Gas wird aufgrund des üblen, nach faulen Eiern riechenden Geruchs schon in geringsten Konzentrationen wahrgenommen. Die Geruchsschwelle liegt lediglich bei 0,15 mg/m3. Allerdings findet schon nach kurzem Aufenthalt, vor allem bei höher konzentriertem H2S, im Gefahrenbereich eine starke Abnahme des Geruchsempfindens statt.

Die Folge ist, dass die unsichtbare Gefahr nicht mehr erkannt wird. Luft, die nur wenige Prozent des Gases enthält, wirkt innerhalb weniger Sekunden tödlich, Vergiftungen mit kleineren Mengen führen zu Schwindel oder Atemnot.

Sauerstoff (O2)

Der vorhandene Sauerstoffgehalt (O2) der Umgebungsluft muss vor Betreten eines Kanals zwingend überprüft werden. Die Faulgase in Schächten führen zur Verdrängung des Sauerstoffs in der Luft. Schon ein Absinken des Sauerstoffgehalts auf unter 16 Vol.– % vermindert die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Dabei erhöhen sich der Pulsschlag und die Atmung, es kommt zur Ermüdung. Sinkt die Sauerstoffkonzentration noch weiter, droht Lebensgefahr! Der verringerte Sauerstoffgehalt erfordert den Einsatz von umgebungsluftunabhängiger Sauerstoffversorgung zur sicheren Begehung. Ein Sauerstoffüberschuss in der Umgebungsluft erzeugt eine erhöhte Brandgefahr und muss vor dem Betreten ausgeschlossen werden.

Kohlendioxid (CO2)

kommt in frischer Luft als natürliches Gas mit einem Anteil von ca. 0,03 Vol.– % vor. Es wird in der Natur bei organischen Umsetzungsprozessen gebildet. Je nach geologischer Bodenbeschaffenheit dringt das Kohlendioxid direkt aus dem Erdreich in den Kanal ein oder kann dort durch Gleichgewichtsreaktionen aus dem Wasser ausgasen. Kohlendioxid ist im Gegensatz zu den meisten anderen Gasen 1,5–mal schwerer als Luft und sammelt sich in schlecht belüfteten Räumen am Boden an.

Zur Entfernung von Kohlendioxid aus diesen Bereichen sind aktive Belüftungsmaßnahmen erforderlich. Die Gefährdung besteht zum einen durch die Verdrängung des Luftsauerstoffes und zum anderen durch die toxische Wirkung auf die Atemwege.

CO2 bewirkt eine Reizung des Atemzentrums. Durch verstärkte Atmung versucht der Organismus, überschüssiges CO2 abzubauen. Kopfschmerzen, Ohrensausen und Herzklopfen treten auf, eine höhere Konzentration des Gases wirkt narkotisch. Atemnot, Bewusstlosigkeit, Depressionen bis hin zum tiefen Koma sowie ein tödlicher Verlauf sind die Folgen.

Ammoniak (NH3)

entsteht, wenn stickstoffhaltiges, pflanzliches und tierisches Material verwest. Es kann zudem durch Störfälle an Kühlanlagen in die Kanalisation gelangen. NH3 ist ein stechend riechendes, farbloses und toxisches Gas. Zusammen mit oxidierenden Gasen bildet es explosionsfähige Gemische. Ammoniak reizt und verätzt die Augen und die oberen Atemwege. Schon das kurzzeitige Einatmen kann zu Entzündungen in den Atemwegen oder zum Lungenödem führen. Eine Konzentration von 1,5 bis 2,5 g/m3 Ammoniak in der Atemluft wirkt nach 30 bis 60 Minuten tödlich.